Verkehrswende: Wie weit sind wir in Deutschland gekommen?

In den letzten Jahren wurde viel und mit Begeisterung über die Verkehrswende diskutiert. Das Umweltbundesamt hat 2020 eine Broschüre veröffentlicht, in der es laut Broschüre seine Ambitionen zur Förderung einer „Verkehrswende für ALLE“ darlegt.

Wie ist der Stand heute? Welche Maßnahmen wurden getroffen? Wir geben Ihnen in diesem Artikel einen Überblick über die aktuelle Lage in Deutschland. 

Verkehrswende für Ökomobilität - in Deutschland und europaweit!

Die Mobilitätswende, die nicht nur in Deutschland angestrebt wird, ist eine europäische Initiative zur Änderung der Mobilitätsgewohnheiten der Europäer im Allgemeinen. Länder wie Deutschland, die dafür die treibende Kraft in Europa darstellen, könnten also als Vorreiter dienen und einen allgemeinen Anstoß für andere Länder geben. Aber die Frage ist, inwiefern es Deutschland gelungen ist, die Ökomobilität anzustreben und sie nicht nur für wann anders aufzuschieben? 

Um diese Frage zu beantworten, ist ein Blick auf die aktuelle Situation und die in Deutschland unternommenen Anstrengungen in dieser Richtung aussagekräftig. 

Die europäischen Ziele für sanfte Mobilität waren praktisch gesehen die folgenden:

 

– Förderung des Einsatzes von emissionsfreien Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen, erneuerbaren und kohlenstoffarmen Kraftstoffen und der entsprechenden Infrastruktur, z. B. durch die Einrichtung von 3 Millionen öffentlichen Ladestationen bis 2030;

 

– Schaffung von emissionsfreien Flughäfen und Häfen, z. B. durch neue Initiativen zur Förderung nachhaltiger Flug- und Schiffskraftstoffe.

 

– Gesunde und nachhaltige Mobilität im Nah- und Fernverkehr, z. B. durch die Verdoppelung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf der Schiene und den Ausbau der Fahrradinfrastruktur in den nächsten zehn Jahren.

 

Damit sollten alternative Verkehrsmittel zum Auto umweltfreundlicher gemacht werden, um die Nutzung dieser Verkehrsmittel zu fördern.

Darüber hinaus wird festgestellt, dass eine der praktischen Möglichkeiten zum Erreichen des Ziels, die Mobilität nachhaltiger zu gestalten, essentiell in der Entwicklung von Infrastrukturen besteht, die die Nutzung von Fahrrädern fördern. 

Zum Beispiel wird die Entwicklung von Radwegen auf nationaler Ebene stark ausgebaut. Lesen Sie dazu unseren Artikel zum Thema Radwanderwege, zum Entdecken der schönsten Strecken Deutschlands und außerhalb mit dem Fahrrad, hier

Ziele und Hürden auf dem Weg zur deutschen Verkehrswende

Trotz aller Bemühungen, die Deutschland bei der Energiewende aufgewandt hat, sind die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehrsbereich seit 2010 wieder angestiegen, so dass der Übergang in die Zukunft einer umweltfreundlichen Mobilität noch eher unsicher ist.

Es gibt ein paar Punkte, die die Schwierigkeiten der Umsetzung und des Erreichens der europäischen Ziele in Bezug auf die Verkehrswende deutlich machen, wie beispielsweise:

 

  • Die Emissionen des Verkehrssektors in Deutschland belaufen sich auf 165,1 Millionen Tonnen CO2 und liegen damit leicht über dem Niveau von 1990. Um den Klimaaktionsplan 2050 zu erfüllen, der 2016 von der deutschen Regierung veröffentlicht wurde, sollen diese Emissionen zwischen 2018 und 2030 um mehr als 40% reduziert werden.

 

  • Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 3,4 Millionen Autos verkauft. Ihre durchschnittlichen Emissionen gehören zu den höchsten in der EU (129,9 gCO2/km, verglichen mit einem Durchschnitt von 120,6 gCO2/km) und sind weit von der EU-Verordnung entfernt, die eigentlich bis 2021 einen durchschnittlichen Emissionswert von 95 gCO2/km vorschreibt.

 

Deutschland kann jedoch einen entscheidenden Einfluss auf die Mobilität im Inland und in Europa haben. Die Verkehrswende ist unabdingbar: Der Straßenverkehr stößt mittlerweile an seine Grenzen, der Anteil des Verkehrs an den Schadstoffemissionen ist immer noch erheblich. 

Trotz der derzeit unbefriedigenden Ergebnisse werden die Bemühungen aktiv fortgeführt. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr neue Möglichkeiten im Verkehrssektor. Autonom fahrende, vernetzte Fahrzeuge und die Nutzung „sanfter“ Verkehrsmittel könnten die Sicherheit und die Umweltverträglichkeit maßgeblich verbessern. 

Es ist wichtig, einen externen Faktor zu berücksichtigen, der in den letzten zwei Jahren einen großen Einfluss auf das Thema Verkehrswende hatte. In den letzten Jahren hat ein neuer Impuls stattgefunden, aber dieser geschah nicht einmal „willentlich“: Dieser Faktor hat den Prozess der Verkehrswende beschleunigt und hat seine Notwendigkeit deutlich gemacht.

Wir werfen auf eine der langfristig positiven Seiten der Corona-Krise.

Die Corona-Krise und unsere Gewohnheiten für die Verkehrswende

Die Corona-Krise hat, neben den unzähligen Problemen, nicht nur ausschließlich schlimme Auswirkungen. In der Tat hat die Verkehrswende von den ungewöhnlichen Umständen der Pandemie in den letzten Jahren stark profitiert. 

Die vorherrschenden Bedingungen und Umstände haben die Menschen dazu veranlasst, den Außenraum “zurückzuerobern”, insbesondere in städtischen Gebieten. Durch die wiederholten längeren Lockdowns, die vorübergehenden Grenzschließungen und die Stornierung von Reisen in die Ferne mussten die Europäer und die Deutschen sich dem fügen und ihre Gewohnheiten in der Mobilität anpassen – sei es für die Freizeit oder im Alltag. 

Es kann eindeutig eine gesündere und verantwortungsvollere Art der Fortbewegung in der Bevölkerung aufgewiesen werden. Sicherlich sind auch Sie mehr rausgegangen und sind beim Spazierengehen mehr Fußgängern, Läufern und Radfahrern begegnet!

 

Viele haben ihr Auto in der Garage zu Hause stehen gelassen und sich für die Arbeit oder den täglichen Arbeitsweg auf den Sattel geschwungen, um sich fit zu halten. Es hat eine echte Veränderung und ein echtes Umdenken bei den Gewohnheiten der Pendler auf dem Weg zur Arbeit stattgefunden.

Und das nicht nur für alltägliche Strecken im städtischen Umfeld, sondern auch für den Tourismus!

Der Radtourismus war bei den Deutschen schon immer sehr beliebt, hat aber in der letzten Zeit noch viel mehr an Bedeutung gewonnen. Da viele Deutsche nicht in der Lage waren, ins Ausland zu reisen und vielen touristischen Einschränkungen unterworfen waren, haben sie sich für preiswerte und unkomplizierte Möglichkeiten des Tourismus entschieden! 

Man kann alleine, mit Freunden oder mit der Familie ein Abenteuer auf dem Rad erleben und die Umgebung, die Region und das Land (neu) entdecken. Deshalb haben viele Menschen diese Möglichkeiten genutzt, um trotz Corona einzigartige gemeinsame Erlebnisse zu sammeln. 

Eine der aktuellen Herausforderungen im Bereich der sanften Mobilität besteht darin, diesen Aufschwung aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Nutzung dieser Verkehrsmittel verstärkt zu schärfen. Damit soll sichergestellt werden, dass auch nach der Pandemie die lobenswerten Entwicklugnen und Gewohnheiten beibehalten bleiben und sich immer mehr Mitmenschen der sanften Mobilität zuwenden – und damit ihren persönlichen Beitrag zur Verkehrswende leisten!

Dies sind Anstrengungen, die Institutionen, Organisationen, Gemeinden und Städte in Deutschland unternommen haben und heute noch unternehmen, um einen Beitrag zur Mobilität von morgen zu leisten: und dies für eine bessere Lebensqualität und für das Ökosystem, in dem die Menschen leben und die Zukunft gestalten. 

Für die Verkehrswende mangelt es nicht an lokalen Initiativen!

Die Bemühungen um einen effizienten Übergang hin zur sanften Mobilität schreiten stetig voran. Die Städte spielen zum Beispiel eine wichtige Rolle als “Versuchslabore” für Verkehrswende und Regulierung der Mobilität. Der Anteil des öffentlichen und sanften Verkehrs hat in den letzten zehn Jahren in den Großstädten wieder zugenommen, und die Erleichterung der Fahrradnutzung auf allen Ebenen bleibt ein wichtiges Anliegen. 

Dies spiegelt sich zum Beispiel im Ausbau von Fahrradwegen in ganz Deutschland, vor allem aber in den Städten, wider.

Hier sind einige erfolgreiche Beispiele in Deutschland:

 

  • Bei der sanften Mobilität ist die Stadt Freiburg ganz vorne mit dabei: Seit der Nachkriegszeit setzt Freiburg auf den öffentlichen Verkehr als langfristiger Ersatz für das Auto: Straßen wurden verbreitert, um Platz für Straßenbahnen, Radwege und Fußgängerzonen zu schaffen. Die „FR 1“ ist ein Radweg, der täglich von fast 15.000 Radfahrern auf einer Strecke von 10 km genutzt wird. Die Strecke ist angenehm, schnell und sicher: In fast allen Teilen der Stadt haben Radfahrer Vorfahrt. Dank dieser Verbindung sind die meisten Teile der Stadt in 15 bis 20 Minuten mit dem Fahrrad erreichbar.

 

  • In den deutschen Großstädten, wie zum Beispiel München, nutzen immer mehr Menschen das Fahrrad im Alltag: Im Hinblick auf die zunehmende Nutzung von Fahrrädern wurde das Netz der Fahrradwege in München wesentlich ausgebaut: Viele Pop-up-Radwege (kurzfristig eingerichtete Fahrradwege) sind mittlerweile zu festen Radwegen geworden. 

Diese neuen Radwege finden sich beispielsweise an der Rosenheimer Straße entlang, zwischen Rosenheimer Platz und Orleansstraße; auf der Elisenstraße zwischen Lenbachplatz und Dachauer Straße; auf der Theresienstraße zwischen Türkenstraße und Schleißheimer Straße; und auch auf der Gabelsbergerstraße.

Mehr zu den neuen Münchner Radwegen können Sie hier nachlesen!

Bei der Verkehrswende geht es nicht nur um den ökologischen Aspekt, sondern auch um die soziale Komponente. Die Stadt München hat dazu eine ganz besondere Initiative im Bereich der Fahrradmobilität gestartet:

 

Das Projekt „My bike – My Munich“ richtet sich speziell an Geflüchtete und bietet Radfahrkurse, gemeinsame Ausflüge, eine Ausbildung zum Radfahrlehrer und eine Fahrradwerkstatt an. Um zu vermeiden, dass junge Familien automatisch ein Auto kaufen, wenn sie ein Kind erwarten, wird das Programm zukünftigen Eltern vor der Geburt ihres Kindes angeboten und bietet ihnen die Möglichkeit, verschiedene Mobilitätsoptionen auszuprobieren, wie etwa Fahrradanhänger, Lasten- oder Elektrofahrräder, Carsharing, spezielle Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel usw. 

 

Wussten Sie das? Das Thema Fahrrad ist in Deutschland seit Kurzem ein Universitätsfach geworden: Das hat doch schon irgendwas zu bedeuten, oder?

 

Man kann sagen, dass der Wandel in den kleinen Gewohnheiten des Alltags beginnt. Obwohl die Energiewende und die industrielle Umstellung anstehen, ist es im Moment am einfachsten, sich für das Rad zu entscheiden und seine Mitmenschen dazu motivieren, es einem gleichzutun! 

 

Und Sie? Wenn Sie auch dazu bereit sind, Ihren Beitrag zur Verkehrswende zu leisten, aber noch nach innovativen Lösungen für die Familie im Alltag suchen, können Sie unser spezielles Fahrradzubehör hier entdecken. Viel Spaß dabei!

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